Konzept „Lesende Schule“ als Teil des Schulprogramms der Grundschule am Sonnenberg in Bovenden

Stand: Mai 2009

In den „Bildungsstandards im Fach Deutsch für den Primarbereich“(Beschluss vom 15.10.2004) sind für den Bereich „Lesen – mit Texten und Medien umgehen“ Kompetenzen festgelegt worden, die von den Schülerinnen und Schülern bis zum Ende des 4. Schuljahrganges erworben sein sollen. 


„ Lesen ist ein eigenaktiver Prozess der Sinnkonstruktion. Die Grundschule führt zum genießenden, informierenden, selektiven, interpretierenden und kritischen Lesen und legt damit eine tragfähige Grundlage für weiteres Lernen, für weiteres selbstbestimmtes Lesen und eine bewusste Auswahl geeigneter Medien.

Die Kinder erfahren, dass Lesen eine Auseinandersetzung mit der Welt ermöglicht und Vergnügen bereiten kann. Dazu werden an unterschiedlichen Texten Leseinteresse, Lesebereitschaft, Lesefertigkeit und sinnverstehendes Lesen entwickelt. Beim Hören und Lesen literarischer Texte beschäftigen sich die Kinder mit wichtigen, sie bewegenden Fragen und setzen sich identifizierend und abgrenzend mit literarischen Figuren auseinander. Schülerinnen und Schüler gehen mit unterschiedlichen Textsorten in verschiedenen Medien um und können sich ihrem Alter entsprechend in der Medienwelt orientieren, d.h. in Druckmedien, elektronischen Medien sowie in Massenmedien.“[1]

 

„Nach PISA und IGLU scheint unumstritten:

  • Lesen bleibt auch in der ‚Mediengesellschaft‘ eine Basiskompetenz, deren Vermittlung alle Aufmerksamkeit verdient und erfordert.
  • Die erworbene Lesefähigkeit beeinflusst stark die Möglichkeiten zum Lernen in allen anderen Bereichen.
  • Die Chancen von Kindern, ‚Leser‘ zu werden, werden nach wie vor von ihren Lebensumständen bestimmt – und verweisen auf die besondere Verantwortung von Schule.“[2]

 

Lesekompetenz wird nach Bettina Hurrelmann erworben durch das von ihr entwickelte Konzept „Lesen als kulturelle Praxis“[3]. Die dort dargelegten Dimensionen der Lesekompetenz betreffen über den Bereich der Kognition als dem Bereich, der dem Lesekompetenzbegriff in der PISA-Studie zugrunde liegt, hinausgehend die Bereiche Motivation, Emotion, Kreativität und Kommunikation im Sinne einer Anschlusskommunikation über das Gelesene (vgl. hierzu Anlage 1,II.[4])

„Dieses ‚Lesen als kulturelle Praxis‘ bewirkt das überdauernde Interesse an Schriftsprache und fördert die Fähigkeiten, mit den Besonderheiten von Texten vertraut zu werden.“[5]

In diesem Zusammenhang ist es in der Grundschule von besonderer Bedeutung, alle Kinder, auch die Kinder mit geringeren Vorerfahrungen in den Bereichen des Lesens und der Schriftsprache, durch dieses Konzept im Sinne einer kompensatorischen Erziehung zu fördern und ihr Interesse für das Lesen dauerhaft zu entwickeln.

Die Entwicklung der Lesekompetenz ist somit die Aufgabe der ganzen Schule, an der

fächerübergreifend über den Deutschunterricht hinaus systematisch in allen vier Jahrgangsstufen gearbeitet werden muss.

In diesem Sinne ist „Leseförderung... eine ganz praktische und sehr anspruchsvolle Aufgabe für jede Schule und ihre einzelnen Klassen. In den Strukturen und Angeboten des Schulalltags muss Leseförderung verwirklicht werden und ‚eine ständig anwesende selbstverständliche Arbeitsspur‘ darstellen.“[6]

 

Im Schulalltag ist hier darüber hinaus von besonderer Bedeutung, dass eine solche Förderung der Lesekompetenzen immer auch Auswirkungen auf die Schreibkompetenzen der Schülerinnen und Schüler hat, da die Auseinandersetzung mit Sprache in Schule nicht nur lesend sondern auch schreibend erfolgt und somit Schriftsprache in ihrer gesamten Komplexität erfahren wird.

„Lesen lässt Erfahrungen mit Modellen der Schriftsprache machen, ...; Lesen kann unmittelbar zum Schreiben anregen... .

Schreiben erzeugt Texte, die vorgelesen und gelesen werden, ...; aus Geschriebenem kann Gedrucktes werden, ... .“[7]

 

Ausgehend von diesen didaktischen Grundannahmen soll das Konzept „Lesende Schule“ einen  bedeutenden Bestandteil des Schulprogramms der „Grundschule am Sonnenberg“ in Bovenden bilden.

Das Konzept entspricht dem Leitbild der Schule „Individuell fördern – gemeinsam handeln – professionell arbeiten“, indem es auf die individuelle Förderung der Lesekompetenz jeder Schülerin und jedes Schülers gerichtet ist, viele Möglichkeiten für das gemeinsame Handeln aller an Schule Beteiligten bietet (vgl. Anlage 2) und durch begründete fachdidaktische Entscheidungen professionell methodisch umsetzbar wird. 

 

Bei der methodischen Umsetzung dieses Konzepts sind verschiedene Faktoren für die Entwicklung von Lesefähigkeiten und –fertigkeiten zu berücksichtigen:

  • eine anregende Lernumgebung
  • feste Lesezeiten
  • die Einrichtung von Leseorten
  • die Bereitstellung von Leseanregungen
  • die Institutionalisierung des Lesens
  • die Möglichkeit der Kommunikation
  • Angebote zum Erwerb unterstützender Fähigkeiten und Fertigkeiten für das Lesen. (vgl. Anlage 1,I [8])

Aus einer Zusammenstellung verschiedener Maßnahmen zur Entwicklung und Förderung der Lesekompetenz, die an der Grundschule am Sonnenberg bereits durchgeführt werden (vgl. hierzu Anlage 3), und aus weiteren vielfältigen methodischen Möglichkeiten hat das Kollegium für die Jahrgänge 1 bis 4 durchzuführende Projekte im Rahmen des Konzepts „Lesende Schule“ ausgewählt und als verbindlich festgelegt (siehe Übersicht „Durchführung“, unten, S.3).

Darüber hinaus soll in jeder Jahrgangsstufe ein weiteres Projekt nach Wahl, z.B. das Lesen einer Ganzlektüre, durchgeführt werden.

Die Fachkonferenz Deutsch evaluiert das Konzept nach neuesten fachdidaktischen Erkenntnissen und verändert ggf. die getroffenen Entscheidungen entsprechend. 

 

Konzept „Lesende Schule“:  Durchführung

Auf der Fachkonferenz Deutsch am 29.04.09 wurde beschlossen, dass in jeder Klasse mindestens zwei Leseprojekte pro Schuljahr durchgeführt werden sollen, wovon ein Projekt thematisch festgelegt ist:                                                                      

 

Verbindliche Projekte im Schuljahr

1. Jahrgang

Lesepass mit Buchausleihe

2. Jahrgang

Zusammenstellung von Buchempfehlungen für andere Klassen

3. Jahrgang

Book-Buddy- Projekt

4. Jahrgang

Vorlesewettbewerb im Jahrgang

 

Zusätzlich zu diesen verbindlichen Projekten wird in jedem Jahrgang

ein weiteres Projekt aus dem breiten Spektrum lesedidaktischer                   Themenstellungen ausgewählt und durchgeführt.

 

 

Die jeweils möglichen Präsentationen der erarbeiteten Unterrichtsergebnisse werden themengerecht geplant und durchgeführt, damit die Schule als Ganzes an den Ergebnissen teilhaben und sie  als „Lesende Schule“ von allen wahrgenommen werden kann.

 

Entsprechend soll als „Startaktion“ für die Durchführung des Konzepts  „Lesende Schule“ zu Beginn des Schuljahres 2009/ 2010 jedes Kind der Schule sowie alle Kolleginnen und Kollegen und alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Schule mit ihrem Lieblingsbuch in einem blauen Lesesessel fotografiert werden, so dass für alle in der Schule Tätigen ein persönlicher Bezug zu dem Konzept hergestellt wird. Die Fotos sollen auf Plakaten in der Schule präsentiert werden. 

 

 

Das Konzept wird durch die Fachkonferenz Deutsch jeweils im Herbst (2. FK im Jahr) evaluiert und entsprechend weiterentwickelt.

 


[1] Bildungsstandards im Fach Deutsch für den Primarbereich (Jahrgangsstufe 4), München 2005, S.9

[2] Ulrich Hecker, Lesekompetenz entwickeln und würdigen – Leseförderung als Aufgabe der ganzen Schule,

in: Lesekompetenz, Ein Lese- und Arbeitsbuch des Grundschulverbands, Frankfurt/M., 2006, S. 36

[3] Bettina Hurrelmann, Leseleistung – Lesekompetenz, in: Praxis Deutsch 176, S.6 ff.

[4] Horst Bartnitzky, Lesekompetenz – was ist das und wie fördert man sie?, in: Lesekompetenz fördern – feststellen – würdigen, Grundschulverband aktuell, Frankfurt/M., 2003, S.5

[5] ebd., S.6

 

[6] Ulrich Hecker, ebd.

[7] Horst Bartnitzky, a.a.O., S.7

[8] ders., a.a.O., S.8